Donnerstag, 16 März 2017 11:03

Exponat des Monats März

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Hermann Neumeyer mit dem Fachwerkmodell im Museum Hermann Neumeyer mit dem Fachwerkmodell im Museum Beate Bickel

Exponat des Monats März 2017

Modell des Fachwerkhauses „Große Teichstraße 5“ mit rückwärtigem Steinwerk

(Hermann Neumeyer)

 

Das Fachwerkhaus mit Hinterhaussteinwerk, wie es als Modell Nr. 1 im Maßstab 1:20 in der Fachwerkabteilung des Regionalmuseums neben acht weiteren Fachwerkhausmodellen zu sehen ist, kann als Leittyp des mittelalterlichen Hauses in Wolfhagen angesehen werden. Während Steinwerk und Keller sich am Haus „Große Teichstraße 5“ orientieren, wurde das Vorderhausfachwerk nach Restbefunden von „Schützeberger Straße 11“, „Vorstadt 1“ und „Triangelstraße 29“ rekonstruiert.

Obwohl schon 1348 der hessische Landgraf Heinrich II. die Bürger seiner Stadt aufforderte, wegen der Brandgefahr und zur Stärkung der Wehrhaftigkeit ihre Häuser aus Stein zu bauen, errichteten über Jahrhunderte hinweg die Bürger ihre Häuser in der Fachwerkbauweise, von denen in Wolfhagen trotz baulicher Veränderungen des 19. und 20. Jahrhunderts und der Sanierungssünden der letzten Jahrzehnte noch immer viele Exemplare erhalten sind. Dabei besteht der am häufigsten anzutreffende Typ, den auch das Exponat des Monats März zeigt, aus einem Fachwerkvorderhaus, unter dem sich ein tonnengewölbter Keller befindet, und aus einem Hinterhaussteinwerk, zu dem ein kreuzgratgewölbter Keller mit Mittelsäule und ein darüber angelegter Kaminraum mit Fachwerkaufsatz gehören.

Das Fachwerkvorderhaus wurde im vorliegenden Beispiel nach dem Stadtbrand im Jahr 1632 in der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg über dem aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts erhaltenen tonnengewölbten Keller wieder aufgebaut. Das Hinterhaussteinwerk ist älter, wie die monolithische Mittelsäule des Kellers aus dem frühen 14. Jahrhundert zeigt. Im Kaminraum darüber befindet sich noch eine Kaminwange mit Stilelementen der Renaissance, die auf die erste Hälfte des 16. Jahrhunderts verweisen. Dieser Kamin zeigt die Bedeutung des heizbaren, rauchfreien Saales für das Wohnen an den herausgehobenen Tagen im Jahreskreislauf, während denen das Vorderhaus mit seinen Wirtschaftsfunktionen vorübergehend verlassen wurde. Es ist überliefert, dass sich im Hinterhaussteinwerk neben Speicherraum für die Ernte auch Schlafkammern und ein Abort befanden und dass dort Frauen ihre Kinder gebären konnten. Als besonderer Reiz lassen sich bei diesem Modell an zwei Stellen Teile der Wand herausnehmen, so dass der Blick in die Keller mit Tonnengewölbe und gotischem Kreuzgratgewölbe möglich wird.

Das Fachwerkvorderhaus stellt einen Vierständerbau dar, das bedeutet, dass an den Ecken der Giebelseite und an den Seiten des Deelentores vier Ständer vom Fundament bis zum Giebel reichen. Es handelt sich um ein dreizoniges, zweigeschossiges Längsdeelenhaus mit den drei Zonen Stall, Deele und Wohnen, in die es der Länge nach unterteilt ist. Die landwirtschaftliche Nutzung ist bestimmend. Man erkennt deutlich das wegen der Brandgefahr immer zu bewachende, ständig benötigte offene Herdfeuer im Flett am Ende der zentralen Deele, die bei diesem Modell in Hanglage eingeschossig ist, so dass gerade noch Fuhrwerke mit der Ernte einfahren können.

Nicht alle, aber die meisten Fachwerkhäuser in Wolfhagen haben hauptsächlich Merkmale von Längsdeelenhäusern und weniger von Querdeelenhäusern. Das ist durch die Lage der Stadt im Grenzgebiet zwischen niederdeutscher Kultur und mitteldeutscher Kultur begründet, wobei Wolfhagen gerade noch überwiegend zum niederdeutschen Kulturbereich gehört, was man auch am Verlauf der sprachlichen Ick-Ich-Linie zwischen Balhorn und Istha, der so genannten Benrather Linie, erkennen kann. Die niederdeutschen Längsdeelenhäuser sind mit dem Giebel zur Straße ausgerichtet, die mitteldeutschen Querdeelenhäuser dagegen mit der langen Traufseite zur Straße, oft noch mit einem Zwerchgiebel ausgestattet. Für beide Haustypen zeigt die Fachwerkabteilung des Museums Modelle (Modelle Nr. 1, 2, 3, 4, 6 und 7 für Längsdeelenhäuser; Modelle Nr. 5, 9 und 10 für Queerdeelenhäuser). An den Besuch der Fachwerkabteilung könnte sich in der Stadt ein Gang zu dem Fachwerkhaus „Große Teichstraße 5“, das dem Modell Nr. 1 zu Grunde liegt, anschließen.

 

Weitere Informationen:  Regionalmuseum Wolfhager Land, 05692/992431, www.regionalmuseum-wolfhager-land.de

Öffnungszeiten: Dienstag bis Donnerstag 10 bis 13 Uhr und 14 bis 17 Uhr, Samstag und Sonntag 14 bis 17 Uhr sowie nach Vereinbarung.

 

Gelesen 749 mal Letzte Änderung am Dienstag, 27 Juni 2017 17:44

Veranstaltungen

Jahresprogramm 2017

Schwerpunktthema Reformation

 

Wenn nicht anders angegeben, finden die Veranstaltungen in der Zehntscheune unseres Museums statt.

 

Do. 31. August, 19.30 Uhr

Ausstellungseröffnung: „Luther und Europa. Wege der Reformation und der fürstliche Reformator Philipp von Hessen.“

Sonderausstellung vom 31. August bis 28. September in der Stadtkirche Wolfhagen

In Kooperation mit der Ev. Kirchengemeinde Wolfhagen.

 

Do. 22. Juni, 19.30 Uhr

Vortrag: Wilhelm Schmidt, Kassel, Ausstellungsmacher und Pfarrer i. R.:

Dr. Martin Luther und seine Zeit

Eintritt frei, Spenden erbeten

 

Donnerstag, 1. Juni, 19.30 Uhr

Ausstellungseröffnung: „Reformation - Dr. Martin Luther und seine Zeit“

Sonderausstellung von Donnerstag, 1. Juni bis Sonntag, 1. Oktober

In Kooperation mit der Evangelischen Kirchengemeinde Wolfhagen.

Mit Wolfhager Schwerpunkt

 

Sonntag, 21. Mai

Internationaler Museumstag

14-16 Uhr: Familientag: Wie bei Asterix und Obelix. Wir filzen uns einen Hinkelstein. Aktionen mit Petra Pütz und Stefan Euler aus Balhorn. Kaffee und Kuchen, gekühlte Getränke.

16 Uhr: Klaus Albrecht, Naumburg: Der Menhir von Istha. Kosmogonie auf Stein.

Eintritt frei, Spenden erbeten

 

Dienstag, 25. April, 19.30 Uhr

Vortrag: Dr. Cornelia Schlarb, Göttingen: Frauen in der Reformationzeit

In Kooperation mit der VHS Region Kassel und der Evangelischen Kirchengemeinde Wolfhagen

Eintritt: 5 €, für Mitglieder des Museumsvereins, Schüler und Studenten frei

 

 Mittwoch, 15. März, 20.00 Uhr

Lesung: Christine Eichel: Deutschland, Lutherland. Warum uns die Reformation bis heute prägt.

In Kooperation mit der VHS Region Kassel, dem Evangelischen Kirchenkreis Wolfhagen und der Buchhandlung Mander, Wolfhagen

In der Stadtkirche Wolfhagen

Eintritt frei, Spenden erbeten

 

Do. 21. September, 19.30 Uhr

Vortrag: Prof. Dr. Jürgen Schulz-Grobert, Marburg: Narr oder Nachtigall. Freunde und Feinde Martin Luthers in der deutschen Dichtung.

In Kooperation mit der VHS Region Kassel und der Evangelischen Kirchengemeinde Wolfhagen

Eintritt: 3 €, für Mitglieder des Museumsvereins, Schüler und Studenten frei

 

Donnerstag, 2. November, 19.30 Uhr

Musik: Duo Benjamin Hühne, Bariton; Jakob Haufler, Gitarre, Kassel: Durch die Jahrhunderte - Walther von der Vogelweide im romantischen Gewand, Luther zwischen Politik und Religion, Ayres und Folksongs von den britischen Inseln

In Kooperation mit der VHS Region Kassel und der Evangelischen Kirchengemeinde Wolfhagen

Eintritt: 8 €, für Mitglieder des Museumsvereins, Schüler und Studenten frei

 

Mittwoch, 15. November, 19.30 Uhr

Vortrag: Dr. Uwe Schäfer, Wasenberg: Gab es eine Wiederentdeckung der Bibel durch Martin Luther? Spätmittelalterlicher Bibelgebrauch und reformatorisches Schriftverständnis.

In Kooperation mit der VHS Region Kassel und der Evangelischen Kirchengemeinde Wolfhagen in der Marienkapelle der Wolfhager Stadtkirche

Eintritt: 5,00 €, für Mitglieder des Museumsvereins, Schüler und Studenten frei